Bewährtes und Neues – ein Interview mit unserer Obfrau

„Wir sind schon wieder am Ende der ersten Jahreshälfte im Nachbarschaftszentrum angekommen, das mittlerweile für mich und unsere regelmäßigen Besucher*innen zur zweiten Heimat geworden ist“, ist Luise Marchler, unsere herzensgute Obfrau, bereits voller Tatendrang auf die kommenden Monate im Nachbarschaftszentrum. Da wird es einige Neuerungen für unsere Kund*innen geben: Zum Beispiel wird unser Beratungsangebot stark ausgebaut, denn wir haben gemerkt, dass gerade in dieser momentan sehr schwierigen Zeit, viele Menschen Rat und Hilfe suchen. Da müssen wir unterstützend eingreifen und so gibt es ab August regelmässig am Freitag von 13.00 – 16.00 Uhr eine Bürgersprechstunde.

Luise, was bedeutet für Dich das Nachbarschaftszentrum?

Ich bin nun seit einigen Jahren in Altersrente, bin alleinstehend und Mindestpensionistin. Um der Altersvereinsamung zu entkommen war ich eine Zeit lang Lesepatin an einer Grazer Volksschule. Über eine Bekannte erfuhr ich, dass ein neues Nachbarschaftszentrum in Jakomini aufgemacht hat und so begann ich mich hier ehrenamtlich zu engagieren. Nun bin ich seit zwei Jahren Obfrau und habe so eine neue Lebensaufgabe gefunden. Dass ich vier Tage in der Woche im Nachbarschaftszentrum sein kann, das ist mir mittlerweile sehr viel wert. Einzig meine Katze leidet ein wenig darunter (schmunzelt).

 Was glaubst Du, bedeutet das Nachbarschaftszentren für andere Menschen im Bezirk?

Ich glaube jeder Mensch braucht die persönliche Ansprache und den realen Austausch mit anderen Menschen. Ich merke immer wieder wie sehr es unsere Besucher*innen freut, ein wenig Abwechslung zu haben, neue Leute kennenzulernen, miteinander zu plaudern, gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen und dabei auch Spaß zu haben. Heute wird Nachbarschaft zu wenig gelebt, gerade im Alter igeln sich die Menschen zu Hause ein oder andere wiederrum leben mehr ihr eigenes Leben, ohne sich um den unmittelbaren Nachbarn zu kümmern.

Muss man Mitglied sein, um ins Nachbarschaftszentrum kommen zu können?

Nein. Es kann jeder und jede zu uns kommen, egal ob jung ob alt, egal welcher sozialer oder territorialer Herkunft sie sind oder welchen Glauben sie haben, aber auch mit Mobilitätseinschränkungen. Bei uns ist jeder willkommen und ich habe für jeden, der mit mir sprechen möchte, ein offenes Ohr. Jeder kann mir seine Sorgen anvertrauen und gibt es immer Möglichkeiten, dass man einen Weg aufzeigt, wie ihm oder ihr geholfen werden kann.

 Was glaubst Du sind die besonderen Merkmale des Nachbarschaftszentrums?

Wir pflegen hier eine besondere Gastfreundlichkeit und ein sehr nachbarschaftliches Klima. Das erkennen die Menschen sofort, wenn Sie bei uns das erste Mal hereinkommen. Das soziale Miteinander wird bei uns sehr groß geschrieben, deshalb bieten wir auch neben den normalen Öffnungszeiten eine Reihe von Mitmachangeboten an wie zum Beispiel das Heimgarteln, unsere Haushalterei , die Fototüfteleien und vor allem am Freitag unser wöchentliches Kochwerkeln. Die Leute fühlen sich sehr wohl bei uns, das spürt man.

 Was passiert denn bei den Mitmachangeboten genau?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Das beginnt beim gemeinsamen Marmeladekochen, Ostereier färben, Putzmittel herstellen oder Tee- und Gewürzmischungen kreieren. Vor Weihnachten gibt es unser traditionelles Advent- oder Türkranzbinden oder unsere gemeinsame Weihnachtsfeier. Dann gibt es unsere Heimgärtnerei, wo wir Balkonhochbeete selbst zusammenbauen, Samen tauschen oder Stecklinge züchten. Heuer bieten wir auch eine Gartenexkursion und einen Vorgartenrundgang an und natürlich im Herbst unseren besonders beliebten Sensenmähkurs.

Und was bitte ist das Kochwerkeln?

Ja, das ist immer unser wöchentliches Highlight. Da probieren wir alle möglichen Rezepte aus und diskutieren natürlich fleißig darüber, wie man diese am besten kochen kann. Jeder hilft mit, na sagen wir fast jeder. Der oder die eine geht einkaufen, andere machen den Salat, schälen die Kartoffel oder rühren den Teig an. Die wissen jetzt sicher, wie man am besten die Kartoffel schält oder was die richtige Konsistenz für den Palatschinkenteig ist (lacht). Und beim gemeinsamen Essen wird dann über Themen aus dem Bezirk oder dem persönlichen Lebensbereich diskutiert. Das ist eigentlich ein schönes Beispiel für soziales Miteinander, denn jeder kann sich einbringen und es ist kein Zwang dahinter und alle machen gerne mit.

Gibt es etwas, was man noch in der Arbeit der Nachbarschaftszentren verbessern könnte?

Da gäbe es zum Beispiel die Herausforderung, die Nachbarschaftszentren bekannter zu machen. Die kennen noch viel zu viele noch viel zu wenig. Nicht jeder hat ein Internet und kann sich Online über die Angebote informieren. Wir werden heuer im Sommer unseren neuen Imagefolder in bestimmten Siedlungsgebieten im Bezirk selbst austragen und so unsere Informationen direkt in die Postkästen bringen. Mehr können wir uns nicht leisten. Besser wäre es aber, wenn die Stadt Graz einen eigenen Folder über alle Nachbarschaftszentren und deren Angebote herausgibt und diesen einmal jährlich an die Haushalte verteilt. Oder auch, dass es in der BIG, der städtischen Bürgerinformation Graz, eine Seite gibt, wo über die laufenden Angebote oder Veranstaltungen der Nachbarschaftszentren berichtet wird. Das wäre dringend notwendig.

 Wie siehst du die neue Finanzierungsstruktur für Nachbarschaftszentren?

Im Moment kann ich da noch nichts Genaues sagen, denn das wird gerade neu verhandelt. Im Moment schaut es nicht sehr rosig aus, denn wir haben bis jetzt nur einen Bruchteil der letztjährigen Förderung erhalten und die Projektsubventionen wurden ja komplett gestrichen. Seit Juli können wir die Miete nicht mehr bezahlen und so hoffe ich schon, dass die anstatt der Projektsubvention zugesagte Aufstockung der Basisförderung in Kürze auch ausbezahlt wird. Wenn wir aus diesem Grund unser Nachbarschaftszentrum zusperren müssten, wäre das nicht nur persönlich für mich eine Katastrophe, sondern auch für viele unserer liebgewonnenen Stammkunden. Aber ich denke positiv und glaube, dass es nicht so weit kommen wird. Zu Hause alleine mit meiner Katze sitzen, das möchte ich nie mehr.

Gibt es sonst noch Neuigkeiten, über die Du uns berichten möchtest?

Ja, natürlich. Ab Oktober 2022 wird es jeden Dienstag das GnerationenCafé Jakomini geben. Damit wollen wir nicht nur speziell die Zielgruppe 50+ ansprechen, sondern auch unsere jüngeren Mitbewohner*innen. Neben der zwanglosen Begegnung bei Kaffee und Kuchen wird es Filmvorführungen und Vorträge geben, aber auch Zeitzeugendialoge oder Dikussionsrunden zu aktuellen Themen. Es wird aber auch Spielenachmittage geben, wo sich unsere Jugendlichen einbringen können und mit unserer älteren Generation Schach-, Karten- und Ratespiele aber auch Computergaming  betreiben können. Dabei können Sie Gutpunkte sammeln, die sie dann fürs Kinogehen, beim MCDonalds oder für einen Eintritt im Bad oder Fitnesscenter einlösen können. Wir werden auch für besonders mobilitätseingeschränkte Personen einen Taxidienst einrichten, der diese abholt und zu uns ins Nachbarschaftszentrum bringt, sodass auch diese Personen die Möglichkeit bekommen an unsrem GenerationenCafé teilnehmen zu können. Das wird zwar eine besondere Herausforderung, aber nichtsdestotrotz freue ich mich darauf schon ganz besonders. 

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